Videoday 2013 – Bericht und Kritik

Videoday2013_Upcoming

Am 24. August 2013 fand der Videoday 2013 in der Kölner Lanxess Arena statt. Laut Organisator Christoph Krachten waren dabei 9500 Personen anwesend. Doch was ist nun von dem ganzen Event zu halten? Ist der Videoday eine große Communityfeier oder doch eher ein Kommerzevent, bei dem die Fans nur eine untergeordnete Rolle spielen? Nachdem mein letzter Artikel über den Videoday 2013 einige Kritikpunkte die bereits vor der Veranstaltung erkennbar waren, aufzeigte, soll dieser Beitrag nun über das vergangene Event berichten und genauer auf die Kritik eingehen.

Eines vorab: Trotz anderer Planung hatte ich dieses Jahr leider nicht die Gelegenheit, den Videoday 2013 zu besuchen. Daher kann ich nur aus der Perspektive eines Livestream-Zuschauers berichten, der außerdem aufmerksam die diversen Tweets zum Videoday unter den Hashtags #videoday und #videoday2013 verfolgt hat.

Livestream? Nicht schlecht!

Der Livestream sollte um 9:45 Uhr beginnen. Ob dies nun tatsächlich so erfolgt ist, weiß ich nicht. Ich habe den Stream immer mal wieder ab etwa 12 Uhr angesehen und es gab keine größeren Probleme. Einmal kam es zu einem kurzen Ausfall, der jedoch recht schnell wieder behoben wurde. Als ich gehört hatte, dass der Stream um 9:45 Uhr starten solle, hatte ich mich zuerst gefragt, wie man denn nun die Zeit zumindest bis zur „Preshow“ um 16 Uhr überbrücken will. Doch tatsächlich ist dies gut gelungen. Im Wesentlichen wurden mit diversen anwesenden Gästen Interviews geführt, welche – bei entsprechendem Interesse für den jeweiligen Künstler – sicherlich zufriedenstellend waren. Tatsächlich fällt auch während der späteren Show auf, dass der Livestream völlig problemlos funktionierte. Eine Ausnahme gibt es jedoch und das ist der Ton – dazu jedoch später mehr.

Warten wie auf der Gamescom

Doch für die Besucher des Videodays war die Veranstaltung evtl. nicht so angenehm. Zumindest dann nicht, wenn sie bereits früh, also etwa zur Einlasszeit vor Ort waren. Schon bald hatte sich eine lange Schlange gebildet, die laut einigen Tweets sogar bis zum Bahnhof Köln Messe/Deutz reichte.

Das dürfte für die Besucher äußerst unerfreulich gewesen sein, wie auch die Kommentare auf einen Facebook-Post des Videodays belegen:

Bildschirmfoto - 26.08.2013 - 01:11:18

Wenn man den auf Twitter geposteten Bildern Glauben schenken mag, so stellt man fest, dass es auch in der Arena selbst ziemlich eng und voll war:

Auch bei den Autogrammstunden soll es zu Problemen gekommen sein. Zum einen ist es wohl so voll gewesen, dass viele kein Autogramm ihrer Lieblingsyoutuber ergattern konnten und zum anderen gab es scheinbar keinen richtigen Plan, wann welcher YouTuber Autogramme verteilt. Hier gelobt das Team des Videoday 2013 zumindest schon mal Besserung. Es ist wichtig, dass sich hier etwas ändert. Die Lanxess Arena ist zwar für eine solch große Anzahl an Personen ausgelegt, doch befinden sich diese gewöhnlich im Innenraum der Halle und nicht im „Außenbereich“ um die Halle herum. Aber natürlich sollte einem Besucher auch klar sein, dass er ggf. nicht von jedem seiner anvisierten YouTuber ein Autogramm erhalten kann, wenn es 9000 andere auch wollen. Die Einlasssituation ist inakzeptabel und muss im nächsten Jahr dringend überarbeitet werden. Übrigens durften keine Lebensmittel, also auch keine Getränke, mit in die Arena genommen werden. Das war jedoch nur ein kleineres Problem, da man den Videoday jederzeit verlassen konnte, sich woanders ein Getränk kaufen konnte und dann das Gelände wieder betreten durfte. Doch wie könnte man diese Situation verbessern? Christoph Krachten hat inzwischen bestätigt, dass darüber nachgedacht wird, den Videoday auf zwei Tage auszudehnen. Doch wäre das wirklich eine Lösung? Ich bezweifle es und vermute viel mehr, dass dann die meisten Besucher einfach an beiden Tagen kommen würden, in der Angst, etwas zu verpassen. Fraglich ist außerdem, warum der Videoday zeitgleich zur Gamescom stattfindet. Klar, es sind dann bereits viele YouTuber in Köln, aber trotzdem: Die Entscheidung „Gamescom oder Videoday?“ muss man sich als potenzieller Teilnehmer stellen. Allerdings ist auch davon auszugehen, dass sich viele lieber für die Gamescom entscheiden werden und dies somit auch zu einer gewissen Entlastung des Videodays beiträgt.

Die Nachmittagsshow

Um 16 Uhr begann dann in der eigentlichen Arena die Nachmittagsshow, welche auf die um 18 Uhr beginnende „Hauptshow“ einstimmen sollte. Auffällig hierbei war, dass es im Livestream zu massiven Tonproblemen kam. Mal war der Ton zu laut und es knackte aus den Lautsprechern, mal war er viel zu leise, so dass man die Künstler auf der Bühne kaum verstehen konnte. Zu einem eher negativen Eindruck trugen auch die zahlreichen Probleme beim Playback bei. So trat etwa ein Künstler auf, bei dem scheinbar der Playback-Ton über sein Notebook laufen sollte. Als dies nicht funktionierte, musste der Moderator nochmals die Bühne betreten und die Zeit überbrücken, während ein Techniker im Hintergrund das Problem löste. Oft wurde auch vergessen, beim Playback das Mikrofon des Künstlers auszuschalten. Die Nachmittagsshow war von der Qualität der auftretenden Teilnehmer nicht gerade berauschend, ein Tiefpunkt war sicherlich der Auftritt von Vincent Lee (im Stream bei 4:18:48), da die Gesangskünste der Sängerin eher begrenzt gut waren. Highlight war da noch der Auftritt von MaximNoise. Mit leichter Verspätung endete die Nachmittagsshow und um 18:10 konnte somit die eigentliche Show beginnen.

Das Konzert, äh…, die Show beginnt

Zuerst einmal muss man lobend feststellen, dass sich die Moderation deutlich verbessert hat. Dieses Jahr übernahm diese Aufgabe Benjamin Jaworskyj, dem es wesentlich souveräner als Christoph Krachten beim Videoday 2012 gelang, durch die verschiedenen Programmpunkte des Abends zu führen. Eine Sache, die schon bei der Nachmittagsshow negativ auffiel, war, dass es über den Stream kaum gelang, die Stimmung des Publikums realitätsgetreu wiederzugeben. Scheinbar hatte man wieder – wie bereits beim Videoday 2012 – vergessen, im Publikumsbereich Mikrofone anzubringen. Allerdings dementiert Krachten dies auf Twitter:

Komisch – bei jeder anderen Veranstaltung ist dies nicht so – oder es muss eben eine echt miese Stimmung im Publikum geherrscht haben. Hier besteht Verbesserungsbedarf! Was soll ich also zur Show selbst schreiben? Festzustellen ist, dass ein Großteil der auftretenden Künstler bei Mediakraft waren. Doch wirklich überraschend ist dies nicht. Man kann dies den Videoday-Organisatoren auch nicht zum Vorwurf machen. Es ergibt sich eher ein ganz allgemeines Problem daraus: Macht der Videoday so wie er dieses Jahr stattfand überhaupt Sinn? Was soll man eigentlich bei einer Bühnenshow eines „Videodays“ zeigen? Klar, Musik! Aber hat das dann noch viel mit „Videos“ zu tun? Klar, kann man sagen, schließlich nehmen ja inzwischen viele YouTuber eigene Songs auf, oder erstellen Parodien dazu – und eben diese Künstler stehen vorrangig bei Mediakraft unter Vertrag, das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber dazu kommt eben auch Kritik aus der Community:

Viele andere Möglichkeiten hätte es wohl nicht gegeben. Was sollten YouTuber sonst auf der Bühne aufführen? So einfach ist es eben bei aller Kritik nicht. Also lieber eine Musiklastige Show als gar keine? Diese Entscheidung überlasse ich dem Leser selbst. Mehrfach habe ich auch Kritik über die Abmischung des Tons in der Halle gelesen. Ein Beispiel findet sich z.B. unter einem Post auf der Videodays-Facebookseite:

Bildschirmfoto - 26.08.2013 - 16:42:06

Auch im Stream war die Abmischung nicht immer perfekt, im Großen und Ganzen jedoch akzeptabel. Dann gab es da auch noch den sogenannten „Play Award“, der erstmalig verliehen worden ist. Die Verleihung ging immer äußerst schnell über die Bühne und man konnte förmlich spüren, wie dieser Award eigentlich keinen Wert hat. So wurden zwar auch Kanäle ausgezeichnet, welche nicht Mitglied bei Mediakraft sind, aber das Auswahlverfahren bleibt immer noch undurchsichtig. Laut Moderation wurde dieser Award durch eine Jury verliehen, doch es wird gar nicht erwähnt, welche Kanäle überhaupt nominiert gewesen sind. Ich werde es hier nochmal ganz klar sagen und meine Meinung ändert sich nicht: Dieser Award ist wertlos. Die Verleihung ist nicht feierlich. Die Nominierung ist undurchsichtig. Daher kann ich dem Videoday-Team nur raten: Lasst den Quatsch nächstes Jahr einfach sein. Es gibt bereits einen entsprechenden Branchenpreis, nämlich den Deutschen Webvideopreis, und der ist das genaue Gegenteil vom „Play Award“: Angesehen, feierlich verliehen und er besitzt ein durchsichtiges und durchdachtes Nominierungsverfahren. Besonders amüsant ist es da noch, dass „AggroTV“ den „Play Award Legend“ erhalten hat. Erstens, weil das aus offensichtlichen Gründen überraschend ist und es sich ja auch nicht um einen klassischen YouTube-Kanal handelt und zweitens, weil dieser Award gar nicht auf der Videoday-Webseite angekündigt worden ist.

Fazit – Wie war der Videoday 2013?

Letztlich muss ich sagen, dass der Videoday 2013 wie erwartet war: Relativ chaotisch organisiert, insgesamt ziemlich Mediakraftlastig und mit viel Musik und wenig Video. Das Highlight bei der abendlichen Show war eindeutig Y-Titty, die tatsächlich auch überzeugen konnten und sogar ohne Playback auftraten. Auch das Publikum in der Arena schien das so zu sehen, denn die Stimmung stieg bei dem Auftritt entsprechend steil an. Aber irgendwie wirkte es auch so, als wäre das der wirklich einzige Auftritt, auf den die Besucher gewartet hätten:

Trotzdem kann man wohl festhalten, dass sich der Videoday 2013 für den Veranstalter gelohnt haben dürfte. Es gibt zwar viel Kritik, insbesondere was den Einlass und die Autogrammstunden betrifft, aber mit der „Hauptshow“ sind viele Besucher zufrieden, auch wenn sie als zu Musiklastig kritisiert wird. Nur hier ist eben die Frage, was man ansonsten hätte zeigen sollen, oder ob es einer solchen Show überhaupt bedarf. Angenommen man würde die Show weglassen, dann könnte man nächstes Jahr ja wieder ganz gemütlich in eine große Halle in die Koelnmesse wechseln. Dort passen locker 9500 Menschen rein und man hätte wesentlich mehr Platz. So könnte der Videoday theoretisch wieder eine Wandlung zu dem erfahren, was er eigentlich sein will oder zumindest sein sollte: Eine Art „Communitymesse“ von YouTubern für YouTuber oder zumindest für Fans von YouTubern.

Es gibt also noch viel zu verbessern. Jetzt ist es wichtig, diese Kritik anzunehmen und die Veranstaltung im nächsten Jahr entsprechend anzupassen. Christoph Krachten, Organisator des Videodays antwortet inzwischen auf seinem Twitterprofil auch schon auf kritische Kommentare, was auf Besserung hoffen lässt. Auch auf der Facebookseite des Videodays wurde ein Beitrag veröffentlicht, in dem man Besserung gelobt und sich für die Kritik bedankt:

Bildschirmfoto - 26.08.2013 - 17:53:12

Die Kommentare dort sind übrigens auch sehr aufschlussreich und zeigen, was die Community am Event dieses Jahr für positiv und negativ befindet.

Schließlich muss ich nochmals anmerken, dass ich ja gar nicht selbst vor Ort war. Daher habe ich mich auf Kritik beschränkt, die über Facebook und Twitter deutlich wurde, sowie aus dem Livestream abzuleiten war. Wer sich diesen nochmals ansehen möchte, kann dies gleich hier tun:

Eure Meinung zum Videoday 2013

Abschließen möchte ich diesen Beitrag mit einer Aufforderung: Mich würde interessieren – egal ob ihr da wart, oder nicht – wie es euch gefallen hat. Postet doch einfach eure Meinung in die Kommentare – es würde mich sehr freuen!

Vielen Dank fürs Lesen!

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