Das war der Webvideopreis 2014: Bericht und Kritik

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Am 24. Mai 2014 war es wieder so weit: Der Deutsche Webvideopreis wurde zum vierten Mal verliehen. Wie schon im Jahr zuvor, fand die Verleihung im Capitol-Theater in Düsseldorf statt. In 13 Kategorien wurden je 6 YouTube-Videos nominiert, außerdem wurde erneut ein Ehrenpreis von der Academy vergeben. Ich war live bei der Veranstaltung vor Ort – wie es mir dort gefallen hat, und wie so eine Gala abläuft, erfahrt ihr hier.

Auch wenn ich in relativer Nähe zum Veranstaltungsort Düsseldorf lebe, hatte ich mir diesmal aus diversen Gründen ein Hotelzimmer reserviert. Dabei handelte es sich um das „Mercure Seestern“ in Düsseldorf. Das Hotel kann ich hier ausdrücklich weiterempfehlen, es gab nichts zu bemängeln. Als ich gegen 15 Uhr im Hotel ankam, hatte ich noch gute 2 Stunden Zeit, bis ich mich langsam auf den Weg zur Gala (Einlass 18 Uhr) machte.

Pünktlich um 18 Uhr bin ich dort angekommen. Es waren bereits zahlreiche Fans vor dem Gelände des Capitol-Theaters, welche auf ihre YouTube-Stars warteten, da. Während letztes Jahr noch ein Fantreffen direkt vor dem Webvideopreis stattfand, war dies 2014 nicht vorgesehen. Schade eigentlich, war es aufgrund der geringen Größe im letzten Jahr sehr angenehm. Der Veranstalter der Gala, die European Webvideo Academy (EWVA) hatte jedoch in diesem Jahr bereits den „XXLTuberday“ veranstaltet, so dass dies als Ersatz dienen konnte. Dort war ich jedoch leider nicht anwesend und kann dies daher auch nicht beurteilen.

Fans warten hinter dem Zaun auf ihre YouTuber - beim WVP14

Nachdem ich durch den Einlass gegangen bin, an dem man ein unscheinbares Bändchen erhielt, befand ich mich schließlich auf dem Gelände des Capitol-Theaters. Dort hatte man einen kleinen „Biergarten“ aufgebaut, in dem es reichlich Freigetränke und belegte Brötchen gab. Eine nette Aufmerksamkeit, die gut organisiert von statten ging. Zahlreiche bekannte YouTuber waren unter den Gästen, im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich jedoch feststellen, dass viel seltener nach Autogrammen gefragt wurde, was eben auch daran lag, dass es sich nicht um ein „Fantreffen“ handelte. Zugegebenermaßen erzeugte dies eine recht angenehme Stimmung unter den geladenen Gästen.

Nachdem ich mich erfolgreich gestärkt hatte, begann auch schon bald der Einlass in das Theater. Das Bühnenbild wurde im Vergleich zum letzten Jahr deutlich aufgebohrt – das hat mir sehr gut gefallen!

Die Bühne des Deutschen Webvideopreises 2014Auch bemerkenswert war das Hologramm am linken Bühnenrand, welches wirklich gut aussah. Während der Show wurden hier zum Teil auch Tweets eingeblendet. Schließlich begann – nachdem auch die letzten Gäste Sitzplätze gefunden hatten, was nicht völlig reibungslos verlief, die Gala. In einem kurzen Live-Einspielfilm erschienen die beiden Moderatoren Joko und Klaas und blödelten in gewohnter Weise herum. Ihnen gelang es, souverän durch den Abend zu führen und dabei immer für eine lustige, angenehme Atmosphäre zu sorgen. Bemerkenswert empfand ich allerdings das völlige Fehlen eines Intros mit dem Webvideopreis-Logo. Schade, ich denke, die EWVA sollte ruhig stolz auf ihren Preis sein und da darf ein kraftvolles Intro einfach nicht fehlen.

Die Preisverleihung verlief nach einem ähnlichen, klassischen Schema, wie bereits im letzten Jahr: Die nominierten Videos einer Kategorie wurden in kurzen Einspielfilmen vorgestellt, wobei Marti „Theclavinover“ Fischer, live als Off-Stimme eben diese Vorstellung einsprach. Eine nette Sache. Auffällig war allerdings der Schnitt dieser Videos, denn diese wirkten zum Teil etwas arg „abgeschnitten“.

Dann wurde – ohne großen Spannungsbogen, was ich durchaus für positiv halte – der Gewinner durch die beiden Moderatoren bekanntgegeben. Anschließend kamen diese auf die Bühne, das Gewinnervideo wurde noch einmal in einer verlängerten Fassung gezeigt und die Preisträger durften noch ein paar Fragen von Joko und Klaas beantworten.
Trotz diesem recht konventionellen Ablauf kam es zu keinen Längen in der Show, was auch an der geschickten Platzierung von verschiedenen Showelementen lag.

Besonders fiel dabei die Werbung für das neue Videospiel „Watchdogs“ aus, bei der mitten in der Preisverleihung eine Actionszene, inklusive Schießerei, dargestellt wurde. Sicherlich eine etwas aufdringliche, aber spannende Art von „Product Placement“, die hier von Ubisoft betrieben wurde. Da der Webvideopreis für alle Teilnehmenden völlig kostenfrei ist, ist es verständlich, dass zumindest ein wenig Sponsoring von Nöten ist. Tatsächlich hielt sich dies – bis auf die Nennung einer Metzgerei, welche Würstchen verteilte – ansonsten angenehm in Grenzen.

Apropos Würstchen: Tatsächlich hatte das Event auch noch mit einem „Skandälchen“ aufzuwarten. Der Rapper „Kollegah“ gewann den Preis für das beste Video in der Kategorie „Newbie“. Als er dann auf die Bühne kam, bat er darum, sein „Sohn“ möge doch ebenfalls dorthin kommen. Tatsächlich handelte es sich dabei jedoch um den Rapper „Shneezin“, welcher sich vermutlich angetrunken dazu entschied, auf der Bühne seine Hose und Unterhose auszuziehen. Die Aktion war natürlich sowohl vor Ort als auch im Livestream zu sehen. Aus meiner Sicht eine auf einer Preisverleihung unangebrachte Aktion. Letztlich kommentierte der nackte Rapper dies noch mit den Worten „Ich würde jetzt gerne meine Mutter fi****.“, um anschließend noch zwei Gläser auf die Bühne zu werfen und diese dann zu verlassen. Die Moderatoren reagierten jedoch souverän und empfahlen „Shneezin“ eine Karriere im TV. Im Publikum vor Ort kam die Aktion jedenfalls nicht gut an und sorgte für spontane Buh-Rufe.

Wie auch schon im letzten Jahr, kam es auch diesmal zu viel Kritik an den Gewinnern. Das dies bei einer entsprechend großen Preisverleihung normal ist, ist selbstverständlich. Trotzdem möchte ich gerne darauf eingehen. Insbesondere wurde kritisiert, dass „Kollegah“ – welcher letztlich insgesamt drei Preise gewinnen konnte – den Preis für das beste Video, also „EPIC“, gewonnen hat. „Kollegah“ habe wenig mit der YouTube-Szene zu tun und würde seine Videos auch nicht selbst anfertigen. Durchaus halte ich das für sehr problematisch. Das der Rapper seine Videos nicht selbst erstellt, ist dabei das kleinste Problem, gilt dies auch für zahlreiche andere, zum Teil sehr große YouTuber, welche umfangreichen Support durch ihre Netzwerke erhalten. Viel mehr zum Problem wird es, dass „Kollegah“ in der Tat keine große Rolle in der YouTube-Community einnimmt. Persönlich würde ich auch anzweifeln, ob es sich bei dem eingereichten Video wirklich um das beste Webvideo des Jahres handelt. Letztlich ist dies aber natürlich eine Geschmacksfrage. Der Sieg von ihm ist vermutlich am ehesten auf seine große Communtiy zurückzuführen. Ein Problem, welches durch eine Aufteilung der Abstimmung, ähnlich wie beim Eurovision Song Contest, erreicht werden sollte:

50% der Stimmen stammen dabei von einer Jury, welche u.a. aus ehemaligen Preisträgern besteht, weitere 50% vom Publikum.

Dieses System wurde in diesem Jahr übrigens ein wenig entschärft, wodurch zumindest bei mir der „Spam“ in den Sozialen Netzwerken deutlich abgenommen hat. Das gefällt mir sehr. Doch das Votingsystem kann noch nicht mit der viel umworbenen vollständigen Transparenz punkten: So wäre es beispielsweise interessant zu wissen, wie genau die Juryabstimmung abläuft. Schaut sich wirklich jedes Academymitglied jedes Video an? Wie verläuft die Abstimmung hier wirklich? Des Weiteren wäre es wünschenswert, genau wie beim Eurovision Song Contest, die Platzierungen von Jury und Zuschauern getrennt einsehen zu können. Zwar zeigte sich auch beim ESC, dass dies zu gewissen Anfeindungen führen kann, womit eine solche Ergebnisauswertung im letzten Jahr abgelehnt wurde, doch ist dies letztlich Vorraussetzung für die notwendige Transparenz eines solchen Preises.

Da vermutlich ohnehin nicht alle Academymitglieder für alle Videos abgestimmt haben, würde eine einfache Anzeige wie z.B.: „Publikumsvoting: 1. Platz; Academyvoting: 1. Platz; Insgesamt: 1. Platz“ theoretisch genügen. Die Abstimmungsergebnisse der einzelnen Mitglieder müssten hier – anders als beim ESC – gar nicht genannt werden. Ich hoffe immer noch, dass sich hier etwas ändern wird. UPDATE: Das Webvideopreis-Team hat reagiert und die getrennten Votingergebnisse für die Sieger der jeweiligen Kategorien freigegeben. Großartig, wie hier auf Kritik reagiert wird.

Ansonsten verlief das Event sehr gut, insbesondere die am Eingang verteilten Bändchen (sogenannte „Xylobands“) waren interessant. Diese wurden in verschiedenen Farben verteilt und ließen sich per Funk ansteuern, so dass sie im gleichen Rhythmus und zur gleichen Zeit an allen Armen blinkten. Ein toller Effekt, der mir sehr gefallen hat!Leuchtendes Xyloband auf dem WVP14

Im Anschluss an die Preisverleihung fuhren uns Busse vom Capitol-Theater zur After-Show-Party in der Nachtresidenz. Da ich zugegebenermaßen kein „Partylöwe“ bin, kann ich hier nicht viel berichten. Ein wenig schade, aber durchaus verständlich war es, dass Getränke diesmal nicht mehr kostenlos waren. Dafür gab es gegen Mitternacht kostenlose Snacks einer Sushibar. Die Preise für Drinks waren durchaus heftig: Für eine 0,2l Fanta zahlte man 3,50€. Auch schade war es, dass viele Gewinner sich in die eigens errichtete „Academy-Lounge“ begaben und dass zeitgleich auch normale Besucher mit einem Ticket die Veranstaltung besuchen konnten. So wurde das exklusive Flair einer After-Show-Party leider recht schnell zerstört. Besser wäre es, ähnlich wie beim letzten Mal, gewesen, „externe Gäste“ erst ab einer bestimmten Uhrzeit in den Club zu lassen. Ob eine „Academy-Lounge“ wirklich nötig ist, kann ich nicht beurteilen, jedoch kann ich es auch verstehen, wenn die Nominierten mal ihre Ruhe haben möchten. Übrigens waren die Xylobands hier umso aktiver und blinkten bei allen Gästen gemeinsam zum Rhythmus der Musik, was sichtlich nicht nur mich faszinierte.

Ein Foto von der After-Show-Party des Webvideopreises 2014

Wie lässt sich der Deutsche Webvideopreis 2014 also zusammenfassen? Was kann man besser machen, was war optimal?

Ein Fantreffen vor dem Event wäre ehrlich gesagt schön gewesen, ist für mich aber kein Muss. Mir hat ein schönes Intro bei der Preisverleihung sehr gefehlt. Seid stolz auf euren Preis! Zeigt es! 😀 Die Schnitte an den Videos der Nominierten waren leider nicht immer optimal, die Aktion von „Shneezin“ war unangebracht, wofür die Veranstalter jedoch auch nichts können. An der Transparenz, insbesondere was das Academyvoting angeht, kann sicherlich noch ein bisschen gearbeitet werden (siehe Update weiter oben im Text). Die After-Show-Party wirkte eher wie ein ganz normaler Abend im Club, als eine halbwegs exklusive Party für Webvideomacher und -fans.

Sehr gut war die kostenfreie Verpflegung vor der Veranstaltung. Auch die allgemeine Atmosphäre war unaufgeregt und somit sehr angenehm. Das Bühnenbild war schön, die beiden Moderatoren Joko und Klaas haben mit größtmöglicher Souveranität durch den Abend geführt. Schön wäre es, irgendwann einmal an ihrer Stelle YouTuber stehen zu sehen; derzeit wüsste ich jedoch keinen geeigneten Kandidaten dafür. Die Sache mit den „Xylobands“ war nett gemacht, das Sponsoring insgesamt recht dezent und angemessen. Die Show hat es geschafft, ohne Langeweile knapp 2 Stunden zu unterhalten. Für einen Medienpreis sicherlich eine herausragende Leistung.

Alles in allem hat mir der Deutsche Webvideopreis 2014 somit gut gefallen. Optimierungsbedarf gibt es sicherlich noch, aber dies ist ja eigentlich bei jedem Event immer der Fall. Ich freue mich darauf, nächstes Jahr wieder dabei zu sein und berichten zu können. Ein großes Lob an alle Organisatoren der European Webvideo Academy (EWVA), z.B. Markus Hündgen und Franzi Bährle und alle anderen, die daran beteiligt waren. Ihnen ist es gelungen, einen tollen Abend zu gestalten.

Hier könnt ihr alle Gewinner sehen.
Hier könnt ihr euch den Preis noch einmal ansehen:

Bilder: Lars-Sören Steck; Deutscher Webvideopreis (CC-BY-2.0)

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